Neues aus dem Leben eines Hundehirten

Warum ich Euch aus meinem Leben als Hundehirte berichten möchte

 

"Du bist auch Dogwalker ?", fragte mich bei einer Hundetrainerfortbildung der Mann, der einer meiner großen Vorbilder ist. Seine Skepsis und sein Erstaunen waren nicht zu überhören. "Sven, unterwegs mit so vielen Hunden, das ist doch kein Führen und Arbeiten mehr, - das ist doch nur noch Verwaltung." Sprach seine Hoheit und wandte sich wieder seiner ehrenwerten Arbeit zu.

 

Das saß und das nagte auch ein wenig an meinem Rudelführerstolz. Aber vor allem fand ich, dass er völlig falsch lag und der Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen Unrecht tat ebenso wie den oft so beeindruckend kommunizierenden Hunden unserer Rudel.

 

Recht hätte er, wenn Dogwalker wahllos und ungeprüft jede Halteranfrage wahrnehmen bis das Hundetaxi voll ist, die Meute dann bis zur Erschöpfung toben lassen und alle innerartlichen Konflikte und individuelle Verhaltensprobleme unmoderiert dem Schicksal überlassen. Hauptsache keiner geht unterwegs verloren und die Kasse klingelt kräftig.

 

Im Nordosten Berlins, wo ich unterwegs bin mag es ab und an schwarze Schafe geben, die mit Masse statt Klasse glauben einen schnellen Euro zu machen aber die sind die absolute Ausnahme und halten selten länger durch.

Zudem darf ohne bestandene Prüfung des hiesigen Veterinäramtes kein Dogwalker arbeiten.

 

In diesem Blog möchte erzählen, wie man ein Rudel langsam aufbaut, welche Hunde hinein passen und von welchen man sich leider gleich oder nach der Probezeit wieder trennen muss. Und ich möchte berichten welche ungeheure Bereicherung das Rudel und die Erfahrungen, die ich mit ihm machen darf, für mein Arbeit als Hundetrainer und meine eigenen Hunde sind. Vor allem aber soll dieser Blog eine Liebeserklärung sein an die tollen Schnautzen meines Rudels, den Berliner Streunern: An Fiete, den Minibullterrier, der immer gleich die ganze Welt umarmen will und so gar nicht versteht, dass seine Saftküsse nicht jeder und jedem schmecken, -an Peggy, die demente hochbetagte Jack Russell Hündin, die gerne mal ins Nirwana abdriftete, an Keylo, den weissen Schäferhund, der mir ständig den Chefposten klauen will, an die vielen ängstlichen und sozial zurückgebliebenen Hunde, die erst im Rudel gelernt haben gut mit Artgenossen zu kommunizieren und Spaß zu haben und an die schwierigsten Kandidaten: An die überdrehten Systemsprenger und chronischen Horizontforscher, die mich die meiste Kraft kosten und leider immer wieder zu der Entscheidung bringen, uns von Ihnen zu trennen.

 

Viel Spaß beim Lesen !

 

 

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